Der Erfolg, welcher der Harzgraben-Fähre beschieden war, und der Wunsch des Publikums nach einer weiteren Fähre unterhalb der Rheinbrücke veranlasste die Künstlergesellschaft, im April 1860 bei der Regierung um eine Erlaubnis für die Eröffnung einer zweiten Fähre zwischen dem St. Johanns-Graben und dem äusseren Klingentalweg nachzufragen. Das vorgesehene Aktienkapital von 10'000 Franken wurde ohne Schwierigkeiten aufgebracht.
Dem für die Behandlung des Gesuchs zuständigen Baukollegium wollte der Standort der projektierten Fähre indessen gar nicht gefallen, weil auf der Grossbasler Seite die Abfahrt vom Seidenhof zum Rhein noch nicht vollendet sei und weil auf der Kleinbasler Seite der Anlegeplatz in die Landezone der Holzflösse und in den Bereich des Holzplatzes zu liegen komme. Ferner bedinge das flachere Ufer einen längeren Landesteg als üblich, und schliesslich würde der hohe Seilträgermast das Fassadenbild des geplanten Kasernen-Baus stören.
Das Projekt musste überarbeitet werden. Nach langen Hin und Her gelang es den Vertretern der Künstlergesellschaft, die Behörden davon zu überzeugen, dass der Standort für die geplante Fähre geeignet sei, nicht zuletzt deshalb, weil inzwischen der städtische Holzlagerplatz und der Holzmarkt weiter rheinabwärts verlegt worden war. Am 27. Februar 1862 wurde die Konzession ausgestellt.
Die «untere Rheinfähre beim Seidenhof» wurde gebaut und geprüft. Die Fähre wurde von den Delegierten des Baukollegiums der hohen Regierung empfohlen, und schon am übernächsten Tag transportierte die vom dankbaren Publikum bekränzte und mit der Inschrift «Es lebe die Künstlergesellschaft» versehene Rheinmücke 2'597 Passagiere von einem Ufer zum anderen.
Bis zum 15. September 1936 trug der Kunstverein die Verantwortung für den Betrieb der Klingental-Fähre. An jenem Tag überliess er sie kostenlos dem langjährigen Fährmann Fritz Bürgin. 7,6 Millionen Passagiere hatten die Klingental-Fähre von 1862 bis 1936 benützt. Am 7. Juli 1962 stiftete die Regierung zur 100. Wiederkehr der offiziellen Inbetriebnahme eine neue «Vogel Gryff»-Fähre. Blasius, der lorbeerbekränzte Stadtpoet, hatte zur Einweihung ein «Fähri-Lied» gedichtet, das, von Georg Marty vertont, von einem Kinderchor aus dem Rheinschulhaus gesungen wurde.
Quelle: Basler Fähren, GS-Verlag 1992 (ISBN 3-7185-0124-4)