Es waren Metzger, 33 an der Zahl, die, unterstützt von der Schlachthausverwaltung, im Mai 1870 der Regierung die Anregung zum Bau einer Fähre zukommen liessen. Die Fähre, die das untere Kleinbasel mit dem äusseren St. Johann verbinden sollte, war in erster Linie für den Transport von Vieh gedacht, das die Metzger nicht mehr durch die Stadt treiben wollten. Bisher musste nämlich mindestens die Hälfte des wöchentlich über fünfzig Stück aus Deutschland eingeführten Grossviehs sowie fünfzig Schweine und ebenso viele Schafe die Rheinbrücke passieren. Durch die Stadt wurden aber auch Woche für Woche zwei bis drei Schafherden von bis zu 200 Stück zum französischen Bahnhof getrieben.
Am 1. März 1871 beschloss die Regierung: «Wird dermalen auf die Erstellung einer solchen Fähre nicht eingetreten.» An diesem Entscheid vermochte auch der Kunstverein, der den Betrieb der Fähre übernehmen wollte, nichts zu ändern. Erst im November 1894, als sich beidseits des Rheins immer mehr industrielle Unternehmen ansiedelten, wurde das schubladisierte Begehren vom Kunstverein erneut formuliert.
Jetzt waren es die Bewohner des St. Johann-Quartiers, die sich eine direkte Verbindung ins Horburg-Quartier wünschten. Am 2. Februar 1895 war es soweit: Die Konzession für den Bau der «Schlachthaus-Fähre» wurde erteilt. Am 6. Juli wurde sie abgenommen, und am 27. Juli 1895 konnte die «Johanniter-Fähre» dem Publikum übergeben werden.
Offensichtlich hat der «Fähri-Maa» in der Folge zu wenig auf die lokale Schifffahrt Rücksicht genommen. Die beiden Landungsbrücken beispielsweise stellten für die stromaufwärts fahrenden Schiffe ein Hindernis dar, weil sie 9 Meter in den Rhein hinaus ragten. Dadurch konnte bei höherem Wasserstand ausserhalb dieser Stege der Stromgrund mit den Stacheln nicht mehr erreicht werden. Zudem war das linke Ufer an verschiedenen Stellen mit Nagelfelsbänken durchsetzt, die bei Niederwasser den Schiffsrumpf beschädigten. Man musste mit Pulver und Dynamit für Abhilfe sorgen.
Die meisten Passagiere, die die Schlachthaus-Fähre über den Strom trug, waren Arbeiter des äusseren St. Johann- und Spalen-Quartiers, die in den Fabriken zu beiden Seiten des Rheins ihr Brot verdienten. Diese Arbeiter waren aber nicht zufrieden, dass sie für die Überfahrt «einen mittelalterlichen Wegzoll» entrichten mussten. Der Quartierverein des äusseren St. Johann richtete an die Regierung ein Gesuch um Erlass der Fährtaxe für die werktätige Bevölkerung. Gleichzeitig wies der Verein auf den bei Glatteis «direkt lebensgefährlichen Zugang auf der Grossbasler Seite» hin. Der für den Fährenbetrieb zuständige Kunstverein entsprach dem Gesuch insofern, als er sich zur Ausgabe von Arbeiter-Abonnements zum Preis von 1 Franken für 40 Fahrten bzw. von Franken 3.50 für 100 Fahrten bereit erklärte.
Die Schlachthaus-Fähre war bis zur Einweihung der Dreirosenbrücke am 1. September 1934 in Betrieb. Erwähnenswert ist die Tatsache, dass der Personenverkehr, den man ursprünglich als unbedeutend prophezeit hatte, den grössten finanziellen Erfolg in der Geschichte der Basler Fähren erbrachte. Über 10,5 Millionen Überfahrten konnten verkauft werden. Im Jahre 1989 ist die Fährverbindung an der Stelle der ehemaligen Schlachthaus-Fähre wieder aufgenommen worden. Zwar ist der Name in St. Johanns-Fähre geändert und das kleine Schiff auf den Namen «Ueli» getauft worden, und auch die Einrichtungen an den Landestellen sind modernisiert, aber die Überfahrt übers Wasser ist unverändert ein Erlebnis geblieben.
Quelle: Basler Fähren,
GS-Verlag 1992 (ISBN 3-7185-0124-4)