Die Harzgraben-Fähre
Im Mai 1854 erhielt die Regierung des Kantons Basel-Stadt ein Schreiben der Künstlergesellschaft, in dem diese über die Gründe unterrichtet wurde, weshalb es vernünftig sei, die Erlaubnis für den Bau einer Drahtseil-Fähre zu erteilen. Die Fähre sollte auf Grossbasler Seite auf der Höhe des Harzgrabens, der Fortsetzung des St. Alban-Grabens und der Kartause auf der Kleinbasler Seite zum Einsatz kommen.
Die Idee dazu hatte Ratsherr Johann Jakob Im Hof-Forcart (1815-1900), der auf seinen Reisen bei Koblenz an einem Drahtseil hängende Schiffe über den Rhein fahren sah. Wegen den unrealisierten Brückenprojekten wäre dies doch auch eine Möglichkeit, Gross- und Kleinbasel miteinander zu verbinden. Ratsherr J.J. Im Hof beabsichtigte dort bereits, dass der Erlös des Fährbetriebs - die Überfahrt sollte 5 Cent kosten - der Künstlergesellschaft für ein vorgesehenes Ausstellungshaus zukommen sollte.
Die Harzgraben-Fähre könnte, so machte man der Regierung klar, zur Entlastung des zunehmenden Verkehrs über die Rheinbrücke (dem einzigen Übergang seit 1225) dienen. Zudem sei die Fähre im Vergleich zum Weg über die Brücke für viele eine willkommene kürzere Verbindung zwischen den beiden Rheinufern. Im Schreiben wurde anschliessend bereits der Wunsch einer weiteren Verbindung zwischen dem St. Johanngraben und dem Klingenthal geäussert. Zur finanziellen Sicherung des Projektes brachte die Gesellschaft ein Kapital von Fr. 15'000.- in Vorschlag, das 150 Aktien entsprechen sollte.
Am 19. Juli 1854 erteilte die Regierung der Künstlergesellschaft die «Concession zur Errichtung und Betrieb einer Rheinfähre für Personen». 24 Jahre lang, bis 1877, beförderte die auf den Namen «Rheinmücke» getaufte Harzgraben-Fähre unfallfrei und mit Erfolg Passagiere vom Kleinbasel ins Grossbasel und umgekehrt. 4,3 Millionen Menschen kauften sich während dieser Zeit eine Überfahrt. So kam es, dass 1872 die Künstlergesellschaft am Steinenberg ihre «Kunsthalle» einweihen konnte. Der Bau der Wettsteinbrücke war der Grund, dass 1877 die Harzgraben-Fähre demontiert wurde.
Quelle: Basler Fähren, GS-Verlag 1992 (ISBN 3-7185-0124-4)